Komfortzone

Ich wohne ziemlich weit oben. Vor meinem Fenster stand ein Baum.

Was fällt an diesen beiden Sätzen auf?

  1. Ich hab keine Ahnung von grünen Dingen, sind es grosse grüne Dinge, sind es für mich Bäume.
  2. Da STAND etwas grosses Grünes. Jetzt ist es weg.

Ich bin schon am Morgen von lauten, sägenden Geräuschen wach geworden. Als ich ins Wohnzimmer kam, war es dort ungewöhnlich hell, obwohl die Sonne gar nicht zu sehen war. Dafür war etwas anderes zu sehen. Ein Mann in einem Krankorb (ich wohne überraschend weit oben), der das grosse Grüne mit einer Motorsäge klein schnitt. Edward mit der Kettensägenhand!

Da war es passiert. Keine Tauben mehr, die sich direkt vor meinem Fenster im Baum ausruhen oder krampfhaft festhalten, wenn der Wind zu heftig wird. Keine Vogeldiskussionen zwischen Tauben, Krähen und anderen beflügelten Tieren, die im grossen Grünen wohnen.

Keine Jahreszeit mehr direkt vor den Augen.

Ich fasse mal zusammen: eine augenblickliche Grande Katastrophe!

Es gibt zwei Strategien, mit seiner Komfortzone umzugehen.
Entweder, man verlässt sie
oder tut einfach ein paar Fleischbällchen in die vegane Bolognese-Fertig-Sauce!

Da ich jetzt aber keine Lust hatte, schlechte Laune zu haben, hab ich beschlossen, meine Komfortzone zu verlassen und zu gucken, was ich der Situation Positives abgewinnen konnte.

Mehr Licht! Das ist gut. Licht ist wichtig! Und wenn ich erstmal den ersten flammenden Sonnenuntergang gesehen haben werde, werde ich ja vielleicht doch noch zum Fan des neuen Umstandes! Also hab ich auf den nächsten, glühenden Sonnenuntergang gelauert.
Hat geblendet und war in der entscheidenden Phase hinter Häusern verschwunden.
Ich werde wohl neue Vorhänge besorgen müssen.

Als ich unten an den Resten vorbeigegangen bin,
hat es mich dann aber mitten ins Herz getroffen!
Das grosse Grüne war kein Baum, sondern eine riesige, alte Weide. Das hab sogar ich am Weidenkätzchen-Massaker erkannt. Dabei hab ich doch gelesen, dass Weiden total wichtig für die Bienen sind!

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Deprimierte Taube

Gerade hatte ich mich sicherheitshalber von jeglicher Schuld am Bienenmord freigesprochen, da fiel mein Blick auf einen Baumstumpf, den Edward verschont hatte, und darauf saß eine einzelne, deprimierte Taube, die nun obdachlos war.

Jetzt sitze ich wieder in meiner Komfortzone und in meinem Kopf ertönt es:

“Mein Freund, der Baaaum, ist toooooot.“

Naja, es war einen Versuch wert.

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