Alter Falter!

Früher fand ich, alt ist immer 15 Jahre älter als ich. Das waren die Zeiten, als ich noch über jeden Deich gehoppelt bin, der nicht bei 3 im Meer war und immer was zu Blöken hatte.  

Ich möchte mich immer noch für, naja, eben nicht-alt halten, aber das Bild beginnt, zu wackeln. Ich kann mit Youtube-Stars (echt? Stars?), die mir immer häufiger in der Werbung oder gar zur Primetime präsentiert werden, nichts anfangen. 
Nichts. 
Und ein bisschen möchte ich das auch gar nicht. 

Ich bin jetzt wohl erwachsen. Aber eben noch nicht wirklich alt (finde ich).
Und doch gibt es diesen Moment, wo ich für die Menschen schlagartig zur Alten mutiere.
Ein Stock,  Rollator oder Rollstuhl reicht, zack, bin ich die Mutter meiner Lebensgefährtin, oder sie mein Pflegedienst (schliesslich sind wir ja zusammen unterwegs). 

Dabei unterliege ich, wenn mit mir Canasta oder  Krankheits-Olympiade gespielt wird, stets den Alten! Denn sie haben die Karten gezählt,und nehmen mehr Pillen  als ich.
Und sie sind älter!
Da bin ich verloren…

Verlieren wir den Blick für unser Gegenüber? Ich bin auch schlecht, wenn ich das Alter anderer einschätzen soll, aber ich bin zumindest vorsichtig! 
Andere eher nicht. 
Beispiel? 

Auf meinem Deich gab es vor langer Zeit mal eine kleine Eisenbahnstrecke, die stillgelegt und abgebaut wurde.
Und zwar 1 Jahr vor meiner Geburt. 
Trotzdem fragt mich mein Besuch, ob ich oft damit gefahren bin, 
und ich bin froh, dass er nicht fragt, wie die Eröffnungsparty war! 
Sie war übrigens 1888. 
Gut, er hatte keine Ahnung und kein Wikipedia, aber trotzdem, Sascha! 

Ich berichtige mittlerweile niemanden mehr. 
Schliesslich ist die Musik, die ich früher gehört habe, mittlerweile bei „Oldies“ einsortiert! 
Und Telefone mit Wählscheibe kennt eh niemand mehr! 
Mittlerweile bin ich diejenige, die aufmunternde Blicke erntet, wenn sie ihr Smartphone bedient.

Alter Falter…

 

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Das mit der Angst.

Morgen endet das Jahr. Die Menschen böllern. Dass das auf meinem Deich verboten ist, hält sie nicht ab.
No risk, no fun!
Die Katze ist da zwar anderer Meinung, aber an diesem einen Tag im Jahr zählt das nicht.

Dabei hat doch jeder Angst! Hat die Natur ganz schön schlau eingerichtet. Fliehen oder kämpfen. Ich selbst hab mir das mit der Angst, so weit es ging, abgewöhnt.
Es nutzt ja nix.
Es geht also eher um „Mit Herzinfarkt sterben“ oder eben ohne.
Aber nicht jeder entscheidet sich gegen die Angst. Das liegt mitunter wohl in der Angst an sich. Angst trägt zuweilen recht seltsame Züge. Und noch seltsamere Hosen.
Wer sich jetzt kugelsichere Hosen vorstellt: gaanz falsch…aber irgendwie…es ist kompliziert.

Eine Bekannte von mir, ich nenne sie einfach mal Sabine, also Sabine hat Angst. Vor, naja, vor allem irgendwie. Eine Therapie ,findet sie, ist nicht notwendig. Es gibt ja Hosen gegen die Angst. Ja, ich habe auch gestaunt! Die letzte „besondere“ Hose, die mir begegnet ist, war eine „Klingelhose“. Sie soll Kindern helfen, kontinent zu werden, indem sie klingelt, wenn der Schlüpper nass wird.
So ähnlich arbeitet die Anti-Angst-Hose, die lieber „Safe Shorts“ heisst, weil es urbaner klingt, auch.
Sie macht Lärm, wenn man an ihr zieht.
130 Dezibel.
Ich hab mal nachgeschaut: das ist lauter als ein startendes Düsenflugzeug, eine Explosion oder ein wirklich lautes Rockkonzert.
Da sollte die Hose besser perfekt sitzen, damit Sabine sie nicht hochziehen muss. Über etwaige Toilettengänge muss Sabine sich keine Gedanken machen, Vor Toiletten ausserhalb ihrer Wohnung hat sie eh Angst und benutzt sie nicht. Aber wenn ihr jemand an der Hose zieht, gibt’s Lärm. Hm.

Silvester feiern auch alle „Sabine“s gern auf meinem Deich.
Feuerwerk ist ja schliesslich verboten. Hält sich nur niemand dran. Einfach mal mit der gesamten Schafherde Silvester in Ruhe auf dem Deich chillen.
Dresscode: Spezialhose!
Nur wird die im Zweifelsfall nicht wirklich helfen, die Hose, denn Böller sind lauter als Düsenflugzeuge.
„Safe Shorts“ wären also ähnlich hilfreich wie die Trillerpfeife von Rose in „Titanic“…
Guten Rutsch!

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Zum Glück gibt‘s Tote!

Wieder ist es bitterkalt, und die Tage werden noch 7 Wochen lang kürzer und dunkler.
Mein letztes Mäh ist lange her.
Und ein Mimimi-Mäh war es auch noch.
Hier auf dem Deich wurde es mir zu kalt und dunkel, ich hab ihn gewechselt.
Und jetzt keinen Rührstab mehr.
Umzugsleiche.

Jetzt mähe ich kein Mimimi mehr, versprochen!
Einen Tag nach meinem wehleidigen Mimimi-Mäh hat Amerika entschieden, Pennywise an die Macht zu lassen.
Ein mittelschwerer Tod der Demokratie,
nur twitter freut sich über den zusätzlichen Umsatz.
Das riskier‘ ich nicht nochmal!

Die Sache mit dem Tod ist schwierig. Je älter ich werde,
umso näher kommen die Einschläge,
und dann gibt‘s ja auch noch Ostern und andere klassische Feiertage, an denen meine Herde verspeist wird!
Denkt mal drüber nach!

Als junges Lamm war das alles noch weit weg, da kannte ich höchstens gestorbene Haustiere (was übrigens ein stehender Begriff für zB Finn ist, wenn man sich nach seinen Tieren erkundigt)!
Da war ein möglicher Verlust heftig, aber relativ schnell überwunden. Da hab ich pragmatisch reagiert. Mir war noch nicht wirklich klar, daß JEDER irgendwann diesen Aggregatzustand erreicht, ob er will oder nicht.
Als dann das erste mal ein lebloses Schaf vor mir auf dem Rücken lag, schwante mir, daß es auch mich rein theoretisch erwischen könnte. Bis jetzt kam aber immer jemand mutiges, der mich wieder umgedreht hat (ja, so einfach rettet man Schafe! Wieder hinstellen!)

Ich lebe auf dem (neuen) Deich. Hinlänglich bekannt. Da ich nicht einfach so den Deich verlassen kann, bin ich ein Deichschaf 2.0. Mit dem Internet bestens vertraut und auf virtueller Reise. Alles ist gut.
Bisschen langsam, aber, hey, Deich-Empfang!
Aber wenn so ein Gerät stirbt, ist das ein Tod, der nicht zu unterschätzen ist. Ich durchlaufe alle 5 Phasen der Trauer, bis das Nächste da ist.

Ich quatsch zu viel über den Tod, was? Schulldigung, war keine Absicht. Ist auch kein Hobby von mir. Ich les‘ ja nicht mal Krimis! Die find ich langweilig. Nur, wenn im das TV- Programm sich den Fremd-Scham-Virus eingefangen hat, dann laufen bei mir stundenlang diese Dokumentationen, in denen reale Mordfälle gelöst werden. Quasi Dokumentations-Krimis.
Dann rufe ich erleichtert:“ Zum Glück gibt‘s Tote!“

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Mimimi

Guten Tag!

Mein Name lautet heute Mimimi.
Es ist bitterkalt, und die Tage werden noch 7 Wochen lang kürzer und dunkler.
Hatte ich schon erwähnt,
dass es auf meinem Deich immer kälter ist als anderswo?

Ach ja, die Jüngste bin ich auch nicht mehr, also muss ich den ganzen Tag stehen, wie es sich für eine Fluchttier-Alternde gehört.
Mimimi.
Das fühlt sich an wie in einer Warteschleife der Hotline des Lebens!
Wann es weitergeht? Keine Ahnung, aber ich kann die Musik schon mitsingen.
Leider.
Und wer wird dann mein Gespräch annehmen? Der versierte Techniker aus dem Keller, oder der ahnungslose Student im Nebenjob?
Es reicht die Begrüssung, und ich weiss, was passieren wird. Das hat schon zu heftigen Lachkrämpfen geführt (ich entschuldige mich ausdrücklich bei dem ahnungslosen anderen Ende der Leitung). Wirklich geholfen hat mir noch nie einer dieser Anrufe.
Ich meide sie wie die Pest.
Und ich bin persönlich beleidigt, wenn (scheinbar) alles geregelt ist, zwei Wochen später aber ein magenta-farbener Brief eintrudelt, der beweist, dass Komiker in der Zentrale sitzen.

Mimimi.

Das Leben ist leichter (und entspannter) auf dem sommerlichen Deich…
Zum Glück ist mein Fell dicht!
Und zum Glück bin ich keines der Lammfelle, mit denen warme Kinderstuben ausgestattet werden…
Also werde ich weiter in der Warteschleife hängen, bis es wieder heller und wärmer wird.
Quasi alternativlos.
Kann mir mal jemand Lebkuchen reichen?
Geht doch schon, oder?
Das Wetter passt auf jeden fall schon mal. Irgendwie doch auch zum Glück.

Happy November!

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Rio!

Es war keine Absicht! Ich schwör! Ich hab aus versehen 5 Minuten Olympiade geguckt. Davon nur 30 Sekunden absichtlich, die restlichen viereinhalb Minuten konnte ich vor Schock nicht umschalten!

Wo fang ich an…

Was hab ich mit der Olympiade zu tun? Eigentlich nichts!
Meine eigene Olympiade besteht täglich aus nicht umfallen!

Die einzigen Beweise meiner Sportkarriere sind 2 Teilnahme-Urkunden der Bundesjugendspiele, an denen ich wohl anwesend war. Ich bezweifle, dass das freiwillig war.
Ich wusste schon immer: ein Usain Bolt würde ich nie werden. Mir geht es nicht darum, 100 Meter möglichst schnell zurück zu legen, ich will ÜBERHAUPT 100 Meter schaffen!
Das ist mein privater Marathon!
Hürdenlauf erledige ich auf Hochflor-Teppich oder Kopfsteinpflaster.

Stellt Euch mich im Zehnkampf vor! Alles, was Ihr jetzt denkt, stimmt!!

Nun aber zu den 30 Sekunden: Da gehen gerade Herren. Sie laufen anders als andere, denn sie dürfen nicht fliegen. Es muss also immer ein Fuss am Boden sein.

Das sieht aus wie Monty Pythons „Ministry of silly walks“. Und die Herren schwitzen, denn sie gehen wohl länger. Der Kommentator hat auf jeden fall gesagt, dass es erst ab Kilometer 30(!) interessant wird.

Sie schütten Flaschen über dem eigenen Kopf aus oder quetschen nasse Schwämme.

Zu viele Details? Wartet ab!

In der Grossaufnahme erscheint der durchnässte Po einer der Herren, und genau dieser Herr zieht eine benutzte Windel aus genau dieser nassen Hose und wirft sie, na, ich sag mal, an die Seite. Der Kommentator ist gespannt, wie der Läufer mit noch kommenden Kalamitäten umgehen wird. Das gehört ja auch dazu.

Es dürfte mich eigentlich nicht so schocken, schliesslich kenn ich das!
Auf dem Deich kein Problem. aber wenn ich in der Stadt bin, halte ich mich zurück.
Oder ich habe eben eine Strategie. Ähnlich wie der Herr in Rio!

Und darauf kommt es doch eigentlich an.

Wie gehe ich mit „Kalamitäten“ um!

Habt Ihr Euch schon mal Gedanken darüber gemacht, was der Chirurg während der OP macht? Bei einer mehrstündigen Herz-OP zum Beispiel kann er nicht einfach mal rausgehen, wenn was raus muss!

Er wird eine Strategie haben.

Wir haben nur Glück, dass die nicht in Grossaufnahme von einer Kamera eingefangen
und live gesendet wird!

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Meine gut funktionierende Methode

Mein tägliches Ziel ist, schräg auf dem Deich zu stehen, Wetter zu trotzen und nicht umzufallen.
Damit bin ich ausgelastet. Wie soll ich mir da noch Dinge merken, bitte?!
Natürlich habe ich eine gut funktionierende Methode, dass dieser Umstand möglichst niemandem (inklusive mir!) auffällt.
Mein elektronischer Kalender erinnert mich eine halbe Stunde bevor ich einen Termin verpasse daran, dass ich in 30 Minuten einen Termin verpassen werde und
Telefonnummern merke ich mir schon lange nicht mehr selbst. Das übernimmt mein Telefon für mich.

Wenn ich recht überlege, lebe ich grundsätzlich ziemlich virtuell.
Ich bin halt ein Deichschaf 2.0!
Fernsehen? Mir zu Retro, ich netflixe!
Tagebuch schreiben? Ich blogge!
Einkaufszettel? Wunderlist!
Zeitung abonnieren? Klar, aber nur als e-paper!
Ich hab‘ sogar einen eigenen Bauernhof! Einen virtuellen! Und es läuft so gut, dass ich jetzt sogar Pfirsiche pflanzen kann!

Eine Wehmut schwingt immer mit, machen mich doch meine virtuellen wie auch meine realen Hilfsmittel stets darauf aufmerksam, was ich nicht mehr ohne sie bewerkstelligen kann.

Richtig interessant wird es, wenn sich virtuelle und reale Welt begegnen.
Wenn mein Kalender mich eiskalt erwischt, und ich tatsächlich nur 30 Minuten habe, um meine Locken zu richten und über den Deich zu galoppieren (Na? Wer erkennt die logische Lücke?)!
Bemerkung am Rande: War knapp, aber zum Glück Unfallfrei.

Diese Begegnungen sind wie ein Espresso oder ein Biss in die Zitrone.
Ich bin schlagartig wach!
Ihr letztens Zusammenreffen bei mir war…besonders und begann mit einem kläglichen Scheitern eines Vorhabens vor einem Jahr.
Ich hatte Grosses vor, dafür gespart, mir extra einen Rucksack dafür gepackt, und wartete aufgeregt auf den entscheidenden Anruf, der nicht kam, weil das Wetter nicht wollte.
Ein neuer Termin war erst ein Jahr später wieder möglich. Also hab ich wieder angefangen, Geld beiseite zu legen (Ich sollte erwähnen, dass dieses Vorhaben ein eher teures ist).
Der neue Termin rückte unaufhörlich näher, also hab ich den Rucksack wieder rausgesucht, um nachzuschauen, ob meine Kontaktlinsen, die ich dafür brauche, aber nirgends mehr finden konnte, vielleicht noch im einer der kleinen Innentaschen mit extra Reissverschluss steckten.

Steckten sie.
Genau wie das vor einem Jahr dafür angesparte Geld.
Alles.
Geht los!…wenn das Wetter nächstes Wochenende mitmacht…

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Wolle

Ich bin ein selbstständiges Schaf.

Ich durfte schon als kleines Lamm  allein im Kindergarten auf meine Abholung warten.
Hab meine Heimat selbst erkundet und dem gruseligen Opa von über uns die Einkäufe hochgebracht.

Auch heute gehe/fahre ich selbstbewusst durch’s Leben. Bringe die nötige Renitenz mit, wenn es zu Ärzten oder Behörden geht.

Aber ich bin eben auch ein Herdenschaf.
Wenn alle rennen, renn‘ ich mit, bevor ich weiss, wohin es genau geht.
Der sprichwörtliche Weg als Ziel.

Ab und an müssen die Locken ab. Auch bei mir. Also brav der Herde zum Scheren folgen.

Ich hab mich scheren lassen.
Freiwillig.
Ich hab sogar dafür gezahlt.

Dabei wusste ich schon beim ersten Scherengeräusch: Das geht nicht gut!
Das wird zu kurz. Und schief. Und überhaupt.
Innerlich!
Äusserlich hab ich gelächelt und auch noch Trinkgeld gegeben, ich kahles Schaf!

Wenn ich geschoren werde, gilt der erste Schnitt regelmässig meinem Selbstbewusstsein und der zweite meiner Würde… *Kopfschüttel*

Diesmal hab ich wohl durch den Verlust meiner Wolle auch meine  Standhaftigkeit eingebüsst.

Mit schiefem Schopf steht es sich wohl schiefer am Deich als eh‘ schon.

Dazu muss ich kurz erwähnen, dass meine Synapsen Autisten sind.
Wenn etwas anders ist als immer, herrscht Chaos und Verweigerung.
Ein winziger Kiesel auf dem Boden reicht, um mich um zu nieten.

Und dann lieg ich da. Muss den Stadtmenschen erklären, dass ein kräftiger Griff in meine Wolle vonnöten ist, um mich wieder in die Senkrechte zu bringen…WENN meine Wolle denn noch da wäre…
Dann bin ich froh, wenn mir Menschen aus meinem Dorf begegnen, die mir aufhelfen!

Stadtmenschen, habt keine Angst vor mir!

Ich bin auch nur eine Spezies unter vielen, und genetisch sind wir doch alle so gut wie baugleich!

Ich habe beschlossen, mir viel Zeit zu lassen, bevor ich wieder Wolle abgebe.
Wird ein warmer Sommer.

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Komfortzone

Ich wohne ziemlich weit oben. Vor meinem Fenster stand ein Baum.

Was fällt an diesen beiden Sätzen auf?

  1. Ich hab keine Ahnung von grünen Dingen, sind es grosse grüne Dinge, sind es für mich Bäume.
  2. Da STAND etwas grosses Grünes. Jetzt ist es weg.

Ich bin schon am Morgen von lauten, sägenden Geräuschen wach geworden. Als ich ins Wohnzimmer kam, war es dort ungewöhnlich hell, obwohl die Sonne gar nicht zu sehen war. Dafür war etwas anderes zu sehen. Ein Mann in einem Krankorb (ich wohne überraschend weit oben), der das grosse Grüne mit einer Motorsäge klein schnitt. Edward mit der Kettensägenhand!

Da war es passiert. Keine Tauben mehr, die sich direkt vor meinem Fenster im Baum ausruhen oder krampfhaft festhalten, wenn der Wind zu heftig wird. Keine Vogeldiskussionen zwischen Tauben, Krähen und anderen beflügelten Tieren, die im grossen Grünen wohnen.

Keine Jahreszeit mehr direkt vor den Augen.

Ich fasse mal zusammen: eine augenblickliche Grande Katastrophe!

Es gibt zwei Strategien, mit seiner Komfortzone umzugehen.
Entweder, man verlässt sie
oder tut einfach ein paar Fleischbällchen in die vegane Bolognese-Fertig-Sauce!

Da ich jetzt aber keine Lust hatte, schlechte Laune zu haben, hab ich beschlossen, meine Komfortzone zu verlassen und zu gucken, was ich der Situation Positives abgewinnen konnte.

Mehr Licht! Das ist gut. Licht ist wichtig! Und wenn ich erstmal den ersten flammenden Sonnenuntergang gesehen haben werde, werde ich ja vielleicht doch noch zum Fan des neuen Umstandes! Also hab ich auf den nächsten, glühenden Sonnenuntergang gelauert.
Hat geblendet und war in der entscheidenden Phase hinter Häusern verschwunden.
Ich werde wohl neue Vorhänge besorgen müssen.

Als ich unten an den Resten vorbeigegangen bin,
hat es mich dann aber mitten ins Herz getroffen!
Das grosse Grüne war kein Baum, sondern eine riesige, alte Weide. Das hab sogar ich am Weidenkätzchen-Massaker erkannt. Dabei hab ich doch gelesen, dass Weiden total wichtig für die Bienen sind!

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Deprimierte Taube

Gerade hatte ich mich sicherheitshalber von jeglicher Schuld am Bienenmord freigesprochen, da fiel mein Blick auf einen Baumstumpf, den Edward verschont hatte, und darauf saß eine einzelne, deprimierte Taube, die nun obdachlos war.

Jetzt sitze ich wieder in meiner Komfortzone und in meinem Kopf ertönt es:

“Mein Freund, der Baaaum, ist toooooot.“

Naja, es war einen Versuch wert.

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Wie ich eine Stunde lang frau deichschal hiess…

Manchmal muss man sich einfach was trauen und gucken, was passiert.

Absätze zum Beispiel. 9cm. Kann funktionieren, muss aber nicht. Ich hab mich  aus Gründen dafür entschieden, lieber auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben als auf Absätzen.
Da bin ich feige.
Feige und vernünftig.
Ich bin ja auch schon keine 18 mehr. ((und keine 28 (und…ach, lassen wir das!))

Dann gibt es die Fälle, in denen man ein kalkuliertes Risiko eingeht.
Ein grauer, Wolkenverhangener Himmel zum Beispiel hält mich nicht vom Rausgehen ab.
Es MUSS ja nicht regnen, und wenn doch, hab‘ ich ja vorher gewusst, dass das passieren kann.

Es gibt  auch die Fälle, die von jeher zum Scheitern verurteilt sind. Anrufe bei der Hotline des Telefonanbieters zum Beispiel. War schon länger nicht nötig. Puha, nochmal Glück gehabt.

Aber ich wollte ja unbedingt mehr. Ich dummes, dummes Schaf, ich.
Eine Blog-Seite sollte es sein. Und Twitter! Und Facebook! Was kostet die Welt!

Gedacht, getan. Langer, schmerzhafter Prozess. Ich hab mich tapfer durch Anleitungen geklickt, Plug-ins installiert, meine bessere Hälfte mit Fragen um den Verstand gebracht, der normale Wahnsinn also.
Ich wollte nur nochmal kontrollieren, ob alles da steht, wo es stehen soll, da ist es mir wie Schuppen von den Augen gefallen! Ich hatte sie übersehen!
Die Korrektur meiner Auto-Korrektur!

Auto-Korrektur funktioniert so:
Sie will mir helfen! Die Gute! Einfach so! Mich unterstützen! Schreibfehler korrigieren, bevor sie zu ende getippt sind.

Das ist ungefähr genauso hilfreich, wie hilfsbereite Mitmenschen, die ungefragt den an der Ampel stehenden Rollstuhlfahrer anschieben!
Ungefähr so sexy wie eine Mutter, die ihrem Kind auch noch im Erwachsenenalter die Mundwinkel mit einem Daumen voll Spucke sauber wischt. In der Öffentlichkeit! Automatisch eben!
Auto-Korrektur hat eine Empathie eines Bulldozers!
Sie ist eine Frau Rottenmeier, die Klara nicht zu Heidi lässt!
Für die jüngeren Leser: Ein Sheldon, der auf seinen Sitzplatz auf dem Sofa besteht!
Pedantisch bis in den kleinen Zeh!

Ich mag es eigentlich lieber Retro. So ein inneres Rechtschreibprogramm, das aus Ge- und Verlerntem besteht.
Und was nicht falsch genug aussieht, kommt in die Schublade „dichterische Freiheit“.
Meine eigene Rechtschreibung läuft seit meinem Schulantritt recht stabil! Nur wenige Abstürze. Pubertät und so.

Never change a running System!

Ich brauche nicht nach Santiago pilgern, um mich selbst kennenzulernen. Ich habe mich auf eine sehr ehrliche, private Weise kennenlernen dürfen, die, wenn es nach mir ginge, nicht unbedingt nötig gewesen wäre.

Ich gebe zu: Ich habe/hatte die Autokorrektur aktiviert.
Das permanent wiederholte Eintippen eines Satzes, ach, was sag‘ ich, eines Wortes gleicht einer Meditation mit katharsischem Ausmaß!
Paradigmen-Wechsel durch Autokorrektur!

Ich habe das Häkchen für die Auto-Korrektur entfernt.
Das Werk ist vollbracht.

Und ich hiess nur eine Stunde lang Frau Deichschal.

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Moses in der Backstube.

Ich bin jetzt hier.
Der Winter auch.

Kaum taucht die Sonne…nein,das Tageslicht…ähm…Sturm! Genau!
Kaum zieht der Sturm auf, wird’s auch schon wieder dunkel. Hoffentlich verhält sich dieser Blog ein wenig freundlicher als der Winter!

Das sind diese Tage, an denen fühle ich mich wie ein Deichschaf: Schräg, aber renitent und stoisch jedem Wetter trotzend, welches das Universum so zu bieten hat.

Kein schlechtes Leben, solange ich nicht als Braten ende!
Manchmal kommt man schneller voran, wenn man erstmal abwartet.
Das hab ich mir zumindest vorgenommen.
Klappt manchmal.

Ich sitze.
Meistens.
Irgendwie.

Aus einem Spaziergang wird eine Spazierfahrt. Dafür habe ich Jochen. Jochen wäre gerne ein SUV, sieht aber aus wie ein Dreirad für Erwachsene. Isser ja auch irgendwie. Und er kommt überall mit hin. Weil er Zauberkräfte hat. So.
Jeden Bürgersteig rocken wir. Weder Wald noch Deich halten uns auf!

Neulich sind wir durch eine (sehr, sehr kleine, enge) Backstube gelotst worden. Die Chefin rief: „macht Platz!“, und ein Schwarm Lehrlinge brachte Backwaren und -bleche mit mehligen Händen in Sicherheit. So muss es auch ausgesehen haben, als Moses das Wasser teilte!

Und wenn ich von Jochen absteige und am Stock weiterlaufe, schenke ich den Menschen um mich herum einen echten Jesus-Moment!

Ich habe ihn im Urlaub kennengelernt. Jochen, nicht Jesus. Und mich gleich in ihn verliebt!

Ich falle irgendwie auf und manchmal auch hin.
Das war nicht immer so…wobei…aufgefallen bin ich schon immer, und das meistens absichtlich…
Seit ein paar Jahren betrachte ich die Welt mit anderen Augen.
Früher habe ich mich auf dem Weg von A nach B in der Gegend umgeschaut:
Gibt es schöne Gebäude? Bäume? Menschen?

Heute ist der wichtigste Check-Up:

Wo befinden sich niedrige Bordsteinkanten, Behindi-Parkplätze und vor allem: Toiletten!
Für die habe ich sogar einen besonderen Schlüssel, den man nur bekommt, wenn man per Ausweis bestätigen kann, dass man wirklich richtig hinüber ist!
Dieser Schlüssel ist mein viertbester Freund nach Jochen, Stock und Behindi-Parkausweis!
Ja, Freundschaften enden und  beginnen.
Das Leben macht Spass. Schon immer. Endlich wieder. Jetzt erst.
Sucht Euch was aus, stimmen tut alles.

Betrachtet das hier einfach als Bericht von der anderen Seite.

Danke! Gern geschehen!

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